4:4 gegen den ehemaligen Tabellenführer
von Frank Hoppe (Kommentare: 0)

Klassenerhalt gesichert!
An einen Aufstieg in die Oberliga zu denken war sicherlich sehr vermessen von mir. Die Landesliga Brandenburg hat zwar bestenfalls drittklassiges Berliner Niveau, aber so gut ist unsere Mannschaft dann doch nicht, um ganz oben mitzuspielen. Den Platz in der Oberliga werden sich wohl Cottbus oder Oranienburg holen.
Unser Gegner vom letzten Sonntag durfte nach fünf Runden zwar nicht vom Aufstieg aber durch die Tabellenführung wenigstens vom Landesmeistertitel träumen. Empor Potsdam 2 ist der Weg in die Oberliga durch die eigene erste Mannschaft blockiert.
Nach der 2:6-Heimpleite gegen den ehemaligen Tabellenkelleristen Potsdam-Mitte 2 wollten wir wenigstens gegen David's ehemalige Truppe Empor Potsdam zeigen, das wir noch fähig sind, gegen Mannschaften aus der Landeshauptstadt auch mal vernünftig zu spielen.
Die Vorzeichen standen allerdings schlecht. Andreas Papendieck mußte wegen Krankheit absagen und in unserem recht kleinen Verein (16 Leute) fand sich kein Ersatz. Kein Wunder, erwartete doch die verbliebenen 12- bis 16-Hunderter ein sicherer Punkteverlust am 8. Brett. Das wollte sich niemand antun, wodurch jetzt allerdings auch die Vereinskasse mit 25 Euro wegen des unbesetzten Brettes bluten muß.
Nach einer Stunde lagen wir 1:2 zurück. Zum kampflosen Verlust an Brett eins, kamen zwei Punkteteilungen von David und Frank. Als ich gegen dreiviertel Elf rund zwanzig Minuten im Gebäude unterwegs war, traf ich David gleich dreimal an: am Brett, in der oberen Etage als potentiellen Oberliga-Schiedsrichter und im Foyer bei einer freien Partie. Perfektes Multitasking.
Meine Partie endete kurz nach dem Rundgang durch das Haus. Ich hatte gerade die erste Spalte mit 20 Zügen vollgeschrieben und wollte nach meinem 21. Zug ehrfürchtig ein Friedensangebot an Dirk Brunk machen. Mein Gegner kam mir zuvor und ich tat so, als müßte ich noch zehn Sekunden darüber nachdenken.
Nichts für schwache Nerven
An Brett sechs zwischen Jann-Christian Tiarks und Michael Altmann begann bei Michael mit fortschreitender Bedenkzeit das übliche Zittern. Je weniger Zeit ihm auf der Uhr bleibt, desto unruhiger wird er. Da werden Züge angetäuscht, falsche Entscheidungen getroffen und dem Gegner ein zerrüttetes Nervenkostüm präsentiert. Ein Fall für die Schachpsychologie.
Michael's 14-jähriger Gegner, bisher mit beeindruckenden 6½ aus 7 sehr überzeugend, ließ sich von dieser Unruhe anstecken. Der junge Potsdamer zockte mit, stellte erst einen Bauern ein und wenig später eine Figur. Mit noch knapp zwei Minuten auf der Uhr von Michael stand diese Stellung auf dem Brett:
Die Stellung ist für Schwarz klar gewonnen. Nach dem letzten weißen Zug hängt jetzt aber der Tf8 und auch noch der Le5. Letzterer sogar mit Schach. Zuviel Drohungen um einen rettenden Zug in so kurzer Zeit zu finden.
Ich stand neben dem Brett, versuchte einen schwarzen Zug zu finden und schaute nebenbei auf die Uhr. Sxc5 und Ld4 fiel mir als erstes ein. Unnötig zu erwähnen, daß diese Züge nicht die Lösung waren. Damit hätte Schwarz sein Mehrmaterial eingebüßt. 36. ... Kg7?? war es aber noch weniger, was Michael nach rund 20 Sekunden spielte. Möglicherweise war es sogar der schlechteste Zug, den es in dieser Stellung gab. Das muß man erstmal finden!
Die Stockfish-Lösung Td8 findet wohl selbst kein Großmeister mit so wenig Bedenkzeit. Es droht zwar vernichtend Td1 mit Damengewinn, aber immerhin hängt der Le5 mit Schach! Nach 37. Dxe5 f6! muß sich Weiß von seiner Dame verabschieden, weil die Grundreihe wegen der Mattdrohung verteidigt werden muß.
Nach dem Textzug Kg7 kippte die Stellungsbewertung aber von +47 auf 0,00. Nach 37. Dxe5 rannte Michael noch mit 37. ... Kh6 in ein Quasiselbstmatt, statt mit Kg8 wenigstens noch ein bißchen auf Gewinn zu spielen. Damit war die Partie gelaufen. Schade.
Aus 2:4 mach 4:4
Die 3:1-Führung der Potsdamer machte Dietmar überraschend am achten Brett wett. Hier saß ihm Uwe Peschke gegenüber. Der 52-jährige Potsdamer hat schon weit bessere Zeiten gesehen. Noch bis 2009 war Uwe stabil über DWZ 2000 und spielte in der ersten Empor-Mannschaft. Seine aktuelle Wertungszahl von 1833 ist der Tiefpunkt seiner schachlichen Laufbahn.
Wie Dietmar zu seinem Punkt kam, ist mir allerdings trotz der Erfassung seiner Partie immer noch ein Rätsel. Bei Dietmar's seltsamer Eröffnungsbehandlung wundere ich mich immer wieder, wie er damit seine Punkte macht. Bei einem Schnellturnier vor einigen Jahren in Neuenhagen wollte ich ihm sein Eröffnungsexperiment um die Ohren hauen, kam dann allerdings auf Abwege und mußte ihm den ganzen Punkt überlassen.
Neben Dietmar saß Martin Hufschild. Nach gewöhnungsbedürftiger Eröffnungsbehandlung (Gibt es 4. b4?) kippte die Partie zugunsten seines Gegners nach der Öffnung des Zentrums.
Martin spielte 18. De2? und ließ sein exponiertes Pferdchen auf a3 aus den Augen. Nach einer Öffnung der Diagonale a3-f8 (deshalb kam auch De7!) mit cxd4 kann Weiß nämlich schlecht mit exd4 wiedernehmen, weil nach Lxc1 der Sa3 hängt.
Nach 18. ... cxd4 19.cxd5 exd5 20.Txd4 Dxe5 hat sich die weiße Stellung praktisch erledigt und es stand kurze Zeit später 2:4. Nun hing alles an den letzten beiden Partien:
Glücklicherweise standen Daniel und Tino auf Gewinn. Es bedurfte allerdings noch einigen technischen Geschicks um am Ende die vollen Punkte einzufahren. Das meisterten sie souverän.
Ergebnisse
SC Empor Potsdam 1952 II | 4-4 | Doppelbauer Woltersdorf | ||
---|---|---|---|---|
1 | Christian Skupin (1958) | +-- | Torsten Hannebauer (2078) | 1 |
2 | Andreas Pietsch (2000) | 0-1 | Tino Dzubasz (2040) | 3 |
4 | Gerald Kobs 1896) | 0-1 | Daniel Gurack (1976) | 4 |
5 | Dirk Brunk (1890) | ½-½ | Frank Hoppe (1952) | 5 |
7 | Steven Grigoleit (1894) | ½-½ | David Schmidt (1843) | 6 |
8 | Jann-Christian Tiarks (1751) | 1-0 | Michael Altmann (1841) | 7 |
12 | Stefan Schiffermueller (1650) | 1-0 | Martin Hufschild (1799) | 9 |
15 | Uwe Peschke (1833) | 0-1 | Dietmar Bunk (1788) | 16 |
Aktuelle Tabelle
Pl. | Mannschaft | S | R | N | MP | BP |
---|---|---|---|---|---|---|
1 | ESV Lok Raw Cottbus I | 6 | 2 | 0 | 14 | 42 |
2 | Schachclub Oranienburg I | 5 | 3 | 0 | 13 | 40 |
3 | SC Empor Potsdam 1952 II | 4 | 2 | 2 | 10 | 37.5 |
4 | SG Lok Brandenburg I | 5 | 0 | 3 | 10 | 34 |
5 | Doppelbauer Woltersdorf (N) | 3 | 3 | 2 | 9 | 32 |
6 | SSG Lübbenau I | 2 | 4 | 2 | 8 | 34 |
7 | ESV 1949 Eberswalde I | 2 | 2 | 4 | 6 | 30.5 |
8 | Potsdamer SV Mitte I | 2 | 1 | 5 | 5 | 26.5 |
9 | SV Blau-Gelb 1899 Hosena | 2 | 1 | 5 | 5 | 26 |
10 | SV Rochade Potsdam-West I | 0 | 0 | 8 | 0 | 17.5 |
Frank Hoppe
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